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Kategorie: Huningue

+++ 16. April 2014 +++

Giftiger Lindanabfall in Huningue

Bis der Wind die Zelte verweht?

UK 2013-10-26 18h33 loDas Lindanabfall-Gelände von Novartis in Huningue (F): Sita baut mit grossen Kränen Maschinen und Förderbänder ab.

Novartis und die Firma Sita Remidiation, die für den Konzern den Lindan-Abfall in Huningue ausgrub und dabei die Stadt mit Giftstaub überzog, haben sich überworfen. Jetzt baut Sita auf dem Gelände Maschinen ab. Wie es mit den Aushubarbeiten, weitergehen soll, ist unklar. Das birgt Risiken: Je länger die billigen Zelte stehen, desto grösser wird das Risiko, dass sie ein Sturm wegweht oder ein Gewitter die Giftgruben flutet. Deshalb fordert Forter Novartis auf, die Arbeiten unter verbesserten Sicherheitsbedingungen umgehend wieder aufzunehmen, wie die Sendung «Schweiz aktuell» des Schweizer Fernsehen SRF 1 heute berichtete.

Seit über einem halben Jahr stehen die Arbeiten zum Aushub des Lindanabfalls in Huningue (F) still. Der Basler Altlastenspezialist Martin Forter hatte nachgewiesen, dass Novartis bzw. Sita Remidiation mit den dilettantisch organisierten Grabungen die Stadt Basel mit giftigem Lindanabfall-Staub kontaminieren. Darauf stoppte Novartis die Arbeiten. Seitdem geht nichts mehr: «Sita baut die Maschinen ab», sagt eine Person aus dem Umfeld von Novartis. Letzteres ist auch via Webcam des Konzerns zu sehen: Auf dem Bild von gestern fehlen zahlreiche Förderbänder und Maschinen, die auf der Aufnahme vom 26. Oktober 2013 noch zu sehen sind.

Gefährliches Warten

Es war notwendig und konsequent, dass Novartis vor sechs Monaten die schlecht und gefährlich organisieren Aushubarbeiten gestoppt hat. Doch anstatt mit neuem Sicherheitskonzept später die Aushubarbeiten wieder aufzunehmen, verkommt der Baustopp nun zum langfristigen Provisorium. Das ist risikoreich. Denn: Je länger die Billigzelte über den geöffneten Giftgruben mit Lindanabfall stehen, desto eher weht sie ein Sturm weg. Das wäre gefährlich. Dann würde der Wind direkt in den Giftstaub blasen und ihn noch viel stärker über Basel bzw. die Gemeinde Huningue tragen als schon geschehen.

Zudem besteht das Risiko, dass z. B. Regenwasser die offenen Giftmulden flutet. Dies würde das Grundwasser verschmutzen und könnte den Rhein verunreinigen.

Arbeiten auf höherem Sicherheitsniveau sofort wieder aufnehmen

«Ob verwehte Zelte oder Wasser, das in die Giftgruben läuft: Beides gilt es zu verhindern. Deshalb fordere ich Novartis auf, die Aushubarbeiten in Huningue schleunigst auf höherem Sicherheitsniveau wieder aufzunehmen», verlangt Forter. Novartis habe ein halbes Jahr Zeit gehabt, neu und sicherer zu planen. «Es ist eigentlich keine besondere Kunst, eine solche Giftgrube sauber und ohne Giftstaubwolken auszuheben. Dass auch Novartis das kann, soll sie endlich beweisen – und damit die von den Billigzelten ausgehenden Gefahren von der Bevölkerung schleunigst abwenden.»

Keine Lehren gezogen

Die Industrie hat gemäss Forter aus dem Sanierungsdebakel in Huningue keine Lehren gezogen. Dies zeige das Konzept zur Teilsanierung der Chemiemülldeponie Feldreben in Muttenz (BL) u.a. von Novartis, BASF und Syngenta: «Bezüglich Sicherheit und Arbeitshygiene ist das Feldreben-Projekt auf ähnlich schlechtem Niveau wie das für den Lindanabfall von Novartis und Sita in Huningue es war. Die Stellungsnahme des Amts für Umweltschutz des Kantons Basel-Landschaft von heute betreffend Muttenz bestätigt dies», betont Forter.

Kontakt:

Martin Forter, Dr. Geograf und Altlastenexperte
061 691 55 83

 

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