MARTIN FORTER - GEOGRAF UND ALTLASTENEXPERTE

+++ 22. März 2016 +++

Können Flüchtlinge gefahrlos auf der Chemiemülldeponie Feldreben leben?

Zweifelhafte Messmethoden und falsche Massstäbe zur Beurteilung des Risikos

SituationsbildRisikolos? Auf der Chemiemülldeponie Feldreben sollen Flüchtlinge unterbebracht werden. Foto: Hanspeter Meier

Anstatt endlich ToxikologInnen beizuziehen, beauftragte der Kanton Basel-Landschaft wiederum das Geologiebüro Sieber, Cassina & Partner (SCP), um die Luftbelastung in den Gebäuden auf der Chemiemülldeponie Feldreben zu beurteilen. Dort will der Kanton Flüchtlinge unterbringen. SCP jedoch hatte schon im November 2015 kein Problem gesehen, Menschen auf der Chemiemülldeponie wohnen zu lassen. Die Firma aber hatte sich dabei auf fragwürdige, zehn Jahre alte Messungen gestützt. Das löste Kritik aus. Trotzdem beauftragte der Kanton jetzt wiederum SPC, um die Luftbelastung neu zu bewerten. Und erneut arbeitete die Firma fragwürdig: Nicht nur die Messmethoden sind zweifelhaft. SPC beurteilte die neuen Messresultate der Schadstoffe aus der Deponie anhand der Maximalen Arbeitsplatzkonzentrationen (MAK) und den Grenzwerten der Altlastenverordnung. „Das Wohnen in einem Asylzentrum – und dauert es auch nur zwei Wochen – ist aber nicht mit einem Arbeitsplatz zu vergleichen. Und die Altlastenverordnung regelt die Schadstoffe in erster Linie aus Umweltsicht. Das ist der falsche Massstab, um die Wohnsituationen auch von Kindern zu beurteilen“, die auf dem Chemiemüll von BASF, Novartis und Syngenta leben sollen, sagt Altlastenexperte Dr. Martin Forter heute im Interview mit der BZ Basel.

Presse-Echo

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23.03.2016 - BZ Basel: Auch zweites Gutachten gibt grünes Licht.pdf